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- Mai 2026
Der stille Spitzenreiter: Warum das Ehrenamt vor dem Grundgesetz steht

Das Ehrenamt steht in Umfragen noch vor dem Grundgesetz. Zum ersten Ehrentag am 23. Mai 2026 lohnt ein Blick auf unsere Daten, der überraschend eindeutig ausfällt.
Wenn man die Deutschen fragt, worauf sie stolz sind, fällt die Antwort in einer Hinsicht überraschend eindeutig aus. An erster Stelle landet nicht die Verfassung, nicht die Wirtschaftsleistung oder die Wiedervereinigung, sondern das freiwillige Engagement in unserer Gesellschaft.
In unserer Studie „Deutsche Identität(en)“ (2025) gaben 81 Prozent der Befragten an, dass das ehrenamtliche Engagement Deutschland zu einem besseren Ort gemacht habe, noch vor dem Grundgesetz (71 Prozent), den Industriebetrieben (69 Prozent) und den sozialen Sicherungssystemen (63 Prozent).

Ein Wert mit langer Konsistenz
Dieser Befund schreibt eine ältere Beobachtung fort. Bereits in unserer Studie „Die andere Teilung“ (2019) landete das Ehrenamt mit 83 Prozent Zustimmung auf Platz eins der Stolzwerte, damals ebenfalls vor dem Grundgesetz (77 Prozent) und der wirtschaftlichen Leistung (77 Prozent).
Bemerkenswert daran ist nicht allein die Höhe des Wertes, sondern seine Konsistenz: Anders als viele andere Stolz- und Vertrauenswerte, die je nach gesellschaftlichen Typen stark auseinanderfallen, trägt das Ehrenamt gesamtgesellschaftlich. In unserer Forschung taucht es immer wieder auf, wenn Menschen nach deutschen Stärken gefragt werden, quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen.
Was das Ehrenamt von anderen Werten unterscheidet
Das Ehrenamt ist, anders als abstrakte Institutionen, im Alltag sichtbar und erfahrbar: die Freiwillige Feuerwehr, der Sportverein, die Nachbarschaftshilfe. Es stellt keine Anforderungen an politische Überzeugungen oder soziale Herkunft. Und es verkörpert etwas, das in Zeiten allgemeinen Vertrauensverlustes rar geworden ist: Menschen, die etwas tun, ohne dafür bezahlt zu werden.
Dass der erste Deutsche Ehrentag, der rund um den 23. Mai begangen wird, dem Tag, an dem 1949 das Grundgesetz unterzeichnet wurde, ist ein passendes Datum. Die Menschen in Deutschland, das zeigen unsere Daten, halten das Ehrenamt für mindestens ebenso grundlegend.
Zur Methodik: Grundlage der Analyse ist eine quantitative Online-Panelbefragung, die zwischen Mai und Juli 2025 durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 2.016 Personen befragt, in Zusammenarbeit mit Verian (heute infratest dimap). Ältere Vergleichswerte stammen aus More in Common (2019).
Hintergrundinfos
Unter dem Motto „Für dich. Für uns. Für alle.“ sind Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland zum Ehrentag eingeladen, sich an Mitmach-Aktionen zu beteiligen oder selbst welche zu organisieren. Der Aktionszeitraum erstreckt sich vom 16. bis 31. Mai 2026, mit dem Schwerpunkt am Wochenende um den 23. Mai. Der Bundespräsident ist Initiator und Schirmherr des Ehrentags, ausgerichtet wird er gemeinsam mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Auf www.ehrentag.de sind bereits rund 2.000 Mitmach-Aktionen deutschlandweit verzeichnet.