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  • Februar 2026

„Was eint uns eigentlich?“ Katarina Peranić über Zusammenhalt, Zugehörigkeit und ihre neue Rolle bei More in Common

Seit dem 16. Februar 2026 ist Katarina Peranić Geschäftsführerin von More in Common Deutschland. Sie bringt langjährige Erfahrung aus dem Aufbau wirkungsorientierter Organisationen mit, zuletzt als Gründungsvorständin der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), davor als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Bürgermut.

In ihrer Arbeit beschäftigt sie eine Frage, die auch im Zentrum unserer Forschung steht: Was braucht es, damit Zugehörigkeit, Zukunftsfähigkeit, Vertrauen und Teilhabe wachsen können? Wir haben Katarina zum Start gefragt, was sie antreibt, was sie bei More in Common vorhat und was sie an der aktuellen Debatte über gesellschaftlichen Zusammenhalt stört.

 

Katarina, du beschäftigst dich seit Jahren mit gesellschaftlichem Zusammenhalt. Was treibt dich an diesem Thema besonders an?

Mich beschäftigt, warum sich so viele Menschen im öffentlichen Diskurs nicht wiederfinden, obwohl sie sich kümmern, Verantwortung übernehmen und eigentlich mitgestalten oder es wollen. In Familien, in Nachbarschaften, in Vereinen, am Arbeitsplatz. Diese Menschen sind oft nicht laut. Aber sie sind da und sie halten vieles zusammen.

Der Eindruck, „alle seien gegeneinander“, entsteht oft dort, wo wenige Stimmen sehr präsent sind. Mich interessiert das Gegenteil: Was eint uns eigentlich? Und was müssen wir stärken, damit wir auch in Zukunft gut zusammenleben können?

Was wird beim Thema Polarisierung deiner Meinung nach häufig missverstanden?

Dass es ein Entweder-oder ist. Oft wird sehr schnell gesagt: „Die Gesellschaft ist polarisiert.“ Ich glaube, es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Ja, es gibt Konflikte und die müssen wir ernst nehmen. Aber es gibt gleichzeitig sehr viel Gemeinsames, das im Diskurs kaum sichtbar wird.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt bedeutet nicht, Konflikte zu überdecken. Er bedeutet, konstruktiv mit ihnen umzugehen. Und dafür brauchen wir mehr Räume, in denen Menschen nicht zuerst als Gegner aufeinandertreffen sondern als Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Was hat dich an More in Common überzeugt?

More in Common verbindet etwas, das ich in der Praxis oft vermisst habe: solide empirische Forschung mit echtem Praxisbezug. Die Arbeit beginnt nicht bei Annahmen, sondern bei der Frage: Wie erleben Menschen ihre Gesellschaft wirklich? Was ist ihnen wichtig, wo fühlen sie sich zugehörig und wo wird Vertrauen brüchig?

Und dann bleibt es nicht bei der Analyse, sondern es geht darum, Erkenntnisse so nutzbar zu machen, dass sie Orientierung geben und konkrete Handlungsmöglichkeiten eröffnen – für Zivilgesellschaft, Politik, Medien und Wirtschaft. Das ist genau die Brücke, die ich bauen möchte.

Was nimmst du dir für die kommenden Monate vor?

Zuhören, verstehen, verbinden. Wir stehen vor einem spannenden Jahr: More in Common überprüft 2026 die Segmentierung der sechs Gesellschaftstypen. Wir wollen noch genauer verstehen, welche unterschiedlichen Perspektiven es gibt und wo die gemeinsamen Werte und Bedürfnisse liegen, die im Diskurs oft untergehen.

Gleichzeitig bauen wir unsere Programme weiter aus. Beispielsweise die Werkstatt. Das ist ein Programm, in dem wir zivilgesellschaftliche Organisationen und Unternehmen dabei begleiten, Begegnung über gesellschaftliche Trennlinien hinweg zu ermöglichen. Unter dem Titel „Werkstatt für Gesellschaft und Zukunft“ richten wir in diesem Zyklus unser Angebot auch gezielt an Unternehmen. Der Kern für mich ist, Forschung und Praxis zusammenzubringen.

Und ich möchte, dass unsere Arbeit noch stärker dort ankommt, wo sie gebraucht wird: bei Menschen, die vor Ort Verantwortung übernehmen.

Wenn du dir eine Sache wünschen könntest für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland – was wäre das?

Dass wir den Stimmen mehr Raum geben, die im Diskurs oft nicht vorkommen. Zugehörigkeit entsteht nicht durch Kampagnen, sondern durch Erfahrungen und Begegnungen: dass man zählt, dass man gehört wird, dass man etwas bewegen kann. Der Ehrentag am 23. Mai ist ein gutes Beispiel dafür, diese Brücken zu bauen und zu stärken. Wenn wir das ernst nehmen, ändert sich sehr viel.

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