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  • Januar 2026

Menschen wünschen sich starke Zivilgesellschaft

Foto von Christian Lue auf Unsplash

Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält die Zivilgesellschaft für unverzichtbar – und wünscht sich starke, unabhängige Organisationen, die Verantwortung übernehmen und sich politisch einmischen. Unsere aktuelle Forschung zeigt: Das Vertrauen in zivilgesellschaftliche Akteure ist hoch.

Öffentliche Debatten über Legitimität und Unabhängigkeit

Seit einiger Zeit sind zivilgesellschaftliche Organisationen und deren Finanzierung immer wieder Bestandteil öffentlicher, polarisierender Debatten.

Auf der einen Seite wird die Unabhängigkeit der Zivilgesellschaft angezweifelt. Vor der letzten Bundestagswahl stellte die Union eine Anfrage an die Bundesregierung, die 551 Fragen zu Finanzquellen und politischen Äußerungen einer Reihe gemeinnütziger zivilgesellschaftlicher Akteure beinhaltete. Karin Prien, als CDU-Ministerin auch verantwortlich für das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“, möchte eine Vielzahl ihrer Förderempfänger verfassungsschutzrechtlich überprüfen lassen. Auf der anderen Seite wird auf die Gefahr hingewiesen, die solch ein Generalverdacht und das Anzweifeln der Legitimation von Nichtregierungsorganisationen für das Gemeinwesen haben kann.

Wir von More in Common wollten deswegen wissen: Was denken die Menschen und was ist ihr Blick auf die deutsche Zivilgesellschaft?

Drei wichtige Erkenntnisse aus unserer aktuellen Forschung:

  • Zivilgesellschaft vor Politik, Wirtschaft und Medien

    Die Mehrheit der Menschen findet, dass zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine und Verbände derzeit genug Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft übernehmen. 56 Prozent stimmen hier zu. Keinem anderen Akteur wird so viel Vertrauen geschenkt: Nur 36 Prozent finden, dass Wirtschaftsunternehmen, 28 Prozent, dass Medien, und 20 Prozent, dass die Politik genug Verantwortung übernimmt. Klar ist aber auch: Bei allen Akteuren ist Luft nach oben. Die Menschen wünschen sich insgesamt mehr Einsatz für die Zukunft unseres Landes.

    Balkendiagramm zur Verantwortung für die Zukunft der Gesellschaft: Mehrheit sieht zivilgesellschaftliche Organisationen als verantwortungsvoller an als Politik, Wirtschaft und Medien (More in Common, 2025).

  • Gesellschaft erkennt ihren hohen Stellenwert an

  • Mehrheit befürwortet politische Einmischung

Unsere Erkenntnisse bedeuten nicht, dass nicht auch zivilgesellschaftliche Akteure ihre Arbeit hinterfragen sollten. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz und der eigenen Wirkungsweise ist richtig und wichtig.

Aber die Ergebnisse zeigen auch: Die Menschen wünschen sich eine starke Zivilgesellschaft, sie erkennen ihre Bedeutung für das Gemeinwesen an, und wünschen sich „politische Einmischung“. Anstatt mit Angriffen und generellen Vorbehalten die Arbeit von NGOs in Frage zu stellen, kann Zivilgesellschaft vielmehr ein starker Partner sein, wenn es darum geht, das Vertrauen der Menschen in die Gesellschaft und ihre Institutionen zu stärken.